Pflegende Angehörige: unbeschwert in die Ferien reisen

Sie kümmern sich regelmässig um pflegebedürftige Angehörige, betagte Eltern…, die im Alltag auf Sie angewiesen sind. Sie sind gerne für sie da. Doch ab und zu haben auch Sie das Bedürfnis, sich etwas Zeit für sich zu nehmen und sich ein paar Tage zu erholen.

Pflegende Angehörige: unbeschwert in die Ferien reisen

Das ist völlig normal. Dennoch haben viele pflegende Angehörige ein schlechtes Gewissen. Denn wer kann Sie ablösen und Ihre Aufgaben übernehmen, wenn Sie nicht da sind? Wer kauft ein, hält den Haushalt in Schuss, kocht, hilft der betreuten Person bei der Körperpflege und beim Anziehen…?

Möglicherweise befürchten Sie auch, dass Ihr Angehöriger Ihnen böse ist, weil er sich verlassen fühlt. Ferien? Schon bevor Sie sie gebucht haben, bereiten sie Ihnen schlaflose Nächte!

Doch das muss nicht sein: Auch pflegende Angehörige haben das Recht oder sogar die Pflicht, sich auszuruhen! Zudem werden Sie in diesem Beitrag sehen, dass Sie nicht alleine sind und von verschiedener Seite Unterstützung erhalten können. Sehen wir uns gemeinsam an, wie Sie vorgehen könnten.

Kein schlechtes Gewissen haben

Die wichtigste Aufgabe von pflegenden Angehörigen besteht darin, sich selbst Sorge zu tragen! Nehmen Sie sich regelmässig Zeit für sich: Damit fördern Sie Ihr Wohlbefinden und beugen einer Erschöpfung vor. Denn wie sollen Sie ein Familienmitglied unterstützen, wenn Sie nicht achtsam mit sich selbst umgehen? Viele pflegenden Angehörigen leiden unter Stress und Erschöpfung und nicht selten tritt gar eine Depression auf.

Die goldene Regel lautet deshalb, zuallererst an sich, Ihren Partner und Ihre Kinder zu denken, um Extremsituationen zu verhindern.

Zudem sollten pflegende Angehörige von Anfang an klare Grenzen setzen, damit keine Gewohnheiten entstehen, die nach einiger Zeit nicht mehr tragbar sind. Denn Ihr Familienmitglied gewöhnt sich an die Unterstützung, die Sie ihm bieten, an Ihre Hilfe und Ihre Anwesenheit. Das ist eine gute Sache, doch möglicherweise versteht es dann zunächst nicht auf Anhieb, weshalb Sie auch ab und zu weggehen müssen.

Deshalb sind Kommunikation, Geduld und gegenseitiges Zuhören das A und O für eine gute Beziehung zwischen Ihnen und der betreuten Person – schon von Anfang an.

Lernen, Hilfe anzunehmen

Sie und auch Ihr pflegebedürftiger Angehöriger haben Ihre Gewohnheiten und Sie kennen niemanden, der ihn in Ihrer Abwesenheit besser betreuen könnte als Sie. Dennoch wäre es für Sie sehr entlastend, einer anderen Person zu vertrauen und Unterstützung von ihr anzunehmen. Auch für die betreute Person wäre das positiv: Sie hätte Gelegenheit, ein anderes Gesicht zu sehen und sich mit anderen auszutauschen, was Abwechslung in ihren Alltag bringen würde.

Wo erhalten Sie Hilfe?

Familie und Freunde

Die naheliegendste Lösung, die jedoch nicht immer möglich ist, besteht darin, von Ihrem Umfeld Unterstützung anzunehmen. Sie können einen Besuchsplan und eine Übersicht über die Arbeiten erstellen, die zu erledigen sind. Damit erleichtern Sie es den Personen, die Sie ablösen, Sie im Alltag zu vertreten. Notieren Sie auch die wichtigsten Telefonnummern (Ihre eigene Nummer, die der Hausärztin oder des Hausarztes oder auch die Notfallnummer 144) auf einem Post-it, das Sie in der Nähe des Telefons anbringen. Bei Bedarf können Sie auch einen Umschlag mit allen administrativen Unterlagen und Ausweisen der von Ihnen betreuten Person zusammenstellen.

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK)

Das SRK bietet verschiedene Dienstleistungen zur Unterstützung pflegebedürftiger Personen an:

  • Der Fahrdienst richtet sich an Personen, die nicht mobil sind: Freiwillige fahren sie zu medizinischen Terminen, helfen beim Ein- und Aussteigen und bringen sie sicher ans Ziel.
  • Der Besuchsdienst kann Freiwillige organisieren, die Ihr Familienmitglied zu Hause besuchen, damit es sich weniger alleine fühlt. So erhält es Gelegenheit, sich mit einer anderen Person auszutauschen, einen Spaziergang zu unternehmen oder einen Jass zu klopfen.
  • Der Rotkreuz-Notruf bietet Sicherheit rund um die Uhr: Mit der Alarmtaste am Armband kann eine Person, die alleine in ihrer Wohnung ist, bei einem Sturz oder einem anderen Problem einfach und rasch Hilfe anfordern. Ein beruhigendes Gefühl – nicht nur für Sie, sondern auch für Ihren pflegebedürftigen Angehörigen.

Das SRK unterstützt pflegende Angehörigen auch mit verschiedenen Ausbildungen. Diese bieten Gelegenheit, sich Rat von erfahrenen Kursleitenden holen, andere Menschen in einer ähnlichen Situation kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Zudem hat das SRK zahlreiche praktische Informationen zur Betreuung pflegebedürftiger Menschen zusammengestellt. Das Themenspektrum reicht von den Veränderungen im Alter über die Hilfe und Pflege zu Hause bis zur Begleitung sterbender Angehöriger.

Spezialisierte Einrichtungen

Eine mögliche Lösung sind auch Ferienheime, Tageszentren und weitere Einrichtungen, in denen Ihr Angehöriger von Fachpersonen betreut wird.

Ob für einen vorübergehenden Aufenthalt oder für die Betreuung an einem bestimmten Nachmittag: Nutzen Sie diese Angebote, damit Sie unbeschwert in die Ferien reisen können.