Pflegende Angehörige: Umgang mit Stress

Ob pflegende Angehörige oder Pflegepersonal – angesichts der Herausforderungen, mit denen Sie konfrontiert sind, fühlen Sie sich bestimmt manchmal gestresst und überlastet. Die folgenden vier Tipps sollen Ihnen helfen, wieder ein gesünderes Leben zu führen und auch an sich selbst zu denken.

Complicité avec une personne âgée

Zeichen von Erschöpfung bei pflegenden Angehörigen

Vielleicht merken Sie es selbst gar nicht: Doch Personen, die Familienangehörige pflegen, sind oft stärkerem Stress und mehr Wut- und Frustrationsgefühlen ausgesetzt als das betreute Familienmitglied.

Achten Sie deshalb auf sich. Wenn solche Gefühle zu häufig auftreten, können sie sehr negative Auswirkungen haben:

  • Schlaflosigkeit in Verbindung mit körperlicher Erschöpfung
  • Stimmungsschwankungen
  • Gesundheitliche Probleme: Gewichtsverlust oder -zunahme, chronischer Schnupfen und Erkältungen, erhöhter Blutdruck
  • Depressionen

Ihre Gesundheit geht der Gesundheit anderer vor. Auch wenn es nicht einfach ist, das zu akzeptieren und umzusetzen: Nur wenn Sie zuerst an sich selbst denken, können Sie sich auch längerfristig um die pflegebedürftige Person kümmern.

 Pflegende Angehörige: Tragen Sie sich selbst Sorge und nehmen Sie Unterstützung in Anspruch.

Vier Tipps für den Umgang mit Stress im Alltag

 

Tragen Sie sich selbst Sorge

Um Stress abzubauen, sollten Sie bei sich selbst beginnen und lernen, sich richtig zu verhalten. Gehen Sie als Erstes Ihre eigenen Schwachpunkte an: Ein «blosser» Schlafmangel kann dazu führen, dass Sie reizbar werden und viel weniger Geduld mit gewissen Verhaltensweisen Ihres pflegebedürftigen Angehörigen haben. Deshalb besteht der erste Schritt zur Stressreduktion darin, sich einen gesunden, geregelten Lebensrhythmus anzueignen: Halten Sie sich an regelmässige Schlafens- und Essenszeiten, ernähren Sie sich ausgewogen und atmen Sie immer wieder tief durch.

Auch Sport ist eine sehr gute Möglichkeit, um gegen Ende des Tages Stress abzubauen. Sie haben keine Zeit? Verzichten Sie trotzdem nicht auf Bewegung! Schon einfache Entspannungsübungen, die Sie zu Hause ausführen können, oder ein Spaziergang von 30 Minuten wirken sich sehr wohltuend aus.

Beginnen Sie zum Beispiel, auf eine angemessene Atmung zu achten. Tiefes Durchatmen versorgt Ihren ganzen Körper mit Sauerstoff und hilft ihm, gasförmige Abbaustoffe wie Kohlendioxid besser auszuscheiden.

So lernen Sie, richtig zu atmen:

  1. Legen Sie sich entspannt auf den Rücken.
  2. Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch und die andere direkt über die Taille.
  3. Atmen Sie langsam durch die Nase ein und aus. Die Hand, die auf Ihrem Bauch liegt, sollte sich heben und danach allmählich wieder senken.
  4. Wiederholen Sie diese Schritte. Wenn Sie die Atmung richtig ausführen, spüren Sie, wie sich Ihr Brustkorb unterhalb Ihrer Brust mit Luft füllt.

Um sich zu entspannen, können Sie Ihren Partner auch bitten, Sie zu massieren. Eine Massage setzt Endorphine frei. Diese Substanzen, die im Gehirn erzeugt werden, sind in der Lage:

  • Stress abzubauen;
  • Schmerzen zu lindern;
  • das Immunsystem anzuregen;
  • den Schlaf zu fördern;
  • Ängste zu lindern.

Suchen Sie sich Unterstützung

Wenn Sie sich allein um einen kranken Angehörigen kümmern, sollten Sie Ihre Familie, Freunde oder Nachbarn um Hilfe bitten. Schon einfache Massnahmen, selbst während kurzer Zeit, durch eine zusätzliche Person können sehr hilfreich sein, um Sie bei Ihren täglichen Aufgaben zu entlasten oder um sicherzustellen, dass alles gut läuft (manchmal reicht schon ein Telefonanruf zur Beruhigung).

Durch eine angemessene Aufteilung der Aufgaben lässt sich Stress erheblich vermindern. Innerhalb einer Familie sind möglicherweise mehrere Gespräche notwendig, um die Rolle der verschiedenen Mitglieder zu klären. Entscheidend ist, miteinander zu reden, die eigenen Bedürfnisse zu äussern und sich zuzuhören.

Akzeptieren Sie Veränderungen

Um Ihre Beziehung zum kranken Angehörigen zu verbessern, ist es wichtig, dass Sie auf Veränderungen vorbereitet sind und sie akzeptieren: Die Person, um die Sie sich kümmern, wird sich im Verlauf der Zeit und mit dem Fortschreiten der Krankheit unweigerlich verändern.

Lassen Sie sich von Fachpersonen beraten

Nur wenn Sie ausreichend informiert sind, werden Sie in der Lage sein, sich auf die krankheitsbedingten Veränderungen vorzubereiten und zu erfassen, was auf Sie zukommt. Deshalb ist es wichtig, sich mit Ärzten und Pflegefachpersonen in Verbindung zu setzen, die Sie in Bezug auf den Krankheitsverlauf beraten und begleiten können. So können Sie die Krankheit besser verstehen, sich darauf einstellen und die Lebensqualität und Sicherheit Ihres pflegebedürftigen Angehörigen im Alltag fördern.

 

Sie können sich auch an das Schweizerische Rote Kreuz wenden, das Kurse und weitere Angebote für pflegende Angehörige bereithält. In den Kursen werden zahlreiche Themen wie Selbstbestimmung von pflegenden Angehörigen, Umgang mit Stress, Erschöpfung, Machtlosigkeit, Einsamkeit und Schuldgefühle angesprochen.