Demenz betrifft auch pflegende Angehörige!

Eine Krankheit, eine Behinderung oder das Alter wirkt sich nicht nur auf die betroffene Person, sondern auch auf ihr gesamtes Umfeld aus. Wer seine Nächsten pflegt, ob aus eigenem Antrieb oder aus Pflichtgefühl, leidet oft ebenfalls. Was lässt sich dagegen unternehmen und wie können pflegende Angehörige unterstützt werden?

Démence chez les proches aidants

Pflegende Angehörige: Wer sind sie?

Zwei Drittel der Personen, die ein Mitglied ihrer Familie betreuen, sind Frauen über 50.

Neben der Zeit, die sie der pflegebedürftigen Person widmen, sind viele von ihnen noch berufstätig. Nicht wenige leiden an gesundheitlichen Problemen. Meist wird die Pflege von einer Tochter oder der Ehefrau der betreuten Person übernommen.

In der Regel übernimmt eine Person die Aufgabe allein, mit gelegentlicher Unterstützung durch andere Angehörige und Nachbarn.

Wenn das Leben schwieriger wird…

Für die Unterstützung der nachstehenden Person geben die pflegenden Angehörigen alles. Viele von ihnen lernen jedoch nicht wirklich, «mit der Krankheit zu leben». Denn die herrschenden Moralvorstellungen, fehlende Unterstützung durch das Umfeld und weitere Faktoren führen dazu, dass sie das pflegebedürftige Familienmitglied umsorgen, aber häufig ihre eigene Gesundheit vernachlässigen.

Studien haben gezeigt, dass pflegende Angehörige eher an Krankheiten leiden und früher sterben als andere gleichaltrige Personen, sobald die von ihnen betreute Person nicht mehr da ist.

Unverständnis, eine hohe Belastung und Erschöpfung gehören zum Alltag von pflegenden Angehörigen. Dies gilt vor allem bei den Frauen, die noch erwerbstätig sind. Die folgenden Situationen sind weit verbreitet:

  • Pflegende Angehörige erhalten von der Gesellschaft keine Wertschätzung: Nach den allgemeinen Moralvorstellungen wird vom Ehepartner und den Kindern erwartet, dass sie sich um ihre Nächsten kümmern, ohne eine Gegenleistung für etwas erwarten zu dürfen, was sie als Opfer empfinden können.
  • Meist sind pflegende Angehörige zeitlich stark ausgelastet. Dies hindert sie daran, Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden zu verbringen, sich Erholung und Ferien zu gönnen und sich Zeit für körperliche, geistige und kreative Aktivitäten zu nehmen. Neben Konflikten mit dem Umfeld führt dies zu einer sozialen und psychischen Isolation.
  • Oft stehen pflegende Angehörige auch unter psychischem Druck: Sie haben Schuldgefühle und sind erschöpft, wagen sich jedoch nicht, um Unterstützung zu bitten, da sie überzeugt sind, niemand könne sich besser um die betreute Person kümmern als sie. Sie haben ambivalente Gefühle (sie fürchten sich vor dem Tod der nahestehenden Person, wünschen aber zwischendurch deren Tod herbei) und Angst vor dem eigenen Tod. Der Verlust der Angehörigen und ein Gefühl von Ohnmacht sind im Alltag ständig präsent.
  • Mit der Zeit können weitere Symptome auftreten: Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, chronische Ängste…
  • Noch komplexer wird die Situation, wenn erschwerende Faktoren hinzukommen, vor allem, wenn die pflegebedürftige Person an Demenz leidet und gegenüber der betreuenden Person gewalttätig wird.

All dies kann in Verbindung mit Frustration und dem fehlenden Engagement anderer Familienmitglieder dazu führen, dass pflegende Angehörige an einer Depression erkranken, sich abkapseln oder dass weitere Störungen wie Wahrnehmungsstörungen oder körperliche Gewalt gegenüber dem betreuten Familienmitglied oder anderen Personen auftreten.

Welche Lösungen bestehen, um pflegende Angehörige zu unterstützen?

Pflegende Angehörige befinden sich in einer belastenden Situation, für die es keine einfache Abhilfe gibt. Allerdings lässt sich ihr Wohlbefinden fördern, wenn sie von Anfang an medizinische und psychologische Begleitung in Anspruch nehmen. Diese kann ihnen helfen, vor allem ihrer eigenen psychischen und körperlichen Gesundheit Sorge zu tragen.

Dieses Bewusstsein sollte am besten entwickelt werden, sobald die Krankheit des betreuten Familienmitglieds bekannt ist. Welche Lösungen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

  • Das eigene Umfeld: Sprechen Sie mit Ihren Geschwistern, Kindern, Freunden und allen anderen Personen, die Ihnen unter die Arme greifen können. So lässt sich die geleistete Hilfe und die Belastung auf mehrere Personen verteilen.
  • Medizinisches Personal: Wertvolle Unterstützung erhalten Sie auch vom behandelnden Arzt, vom Pflegefachpersonal, von Pflegehelferinnen oder von einer Psychologin oder einem Psychiater.
  • Pflegeheime und Tageszentren können Sie bei Bedarf entlasten (zum Beispiel, wenn Sie in die Ferien fahren oder Erholung benötigen).
  • Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige bieten Ihnen Unterstützung, Trost und Beratung. Sie geben Ihnen die Möglichkeit, sich mit anderen Personen auszutauschen, die in der gleichen Lage sind wie Sie. Ausserdem helfen sie Ihnen, das Fortschreiten der Krankheit oder des Alterns anzusprechen und besser zu verstehen, aber auch zu relativieren und zu akzeptieren.
  • Das Schweizerische Rote Kreuz: Es bietet Kurse für pflegende Angehörige an, damit diese älter werdende Ehepartner und andere Familienmitglieder unter optimalen Bedingungen betreuen können.

Überschätzen Sie Ihre Kräfte nicht: Lassen Sie sich von nun an begleiten und unterstützen.