Wie lässt sich älteren Angehörigen klarmachen, dass ihre Fahrweise gefährlich ist?

Fährt ein älterer Angehöriger von Ihnen immer noch Auto? Und haben Sie mehrmals festgestellt, dass er mit seiner Fahrweise teilweise sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet? Möchten Sie das Problem zum Schutz aller Beteiligten ansprechen, wissen aber nicht recht, wie Sie vorgehen sollen, um Ihren Angehörigen nicht zu verletzen? Hier finden Sie einige Tipps für ein entspanntes, konstruktives Gespräch.

älterer Mensch gefährliches Fahren

Zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte finden

Im Idealfall besprechen Sie das Problem mit Ihrem Angehörigen möglichst frühzeitig, schon bevor sich die ersten Anzeichen einer gefährlichen Fahrweise zeigen. So können Sie im Gespräch den Schwerpunkt auf den präventiven Aspekt legen.

In der Praxis wird das Problem allerdings oft erst im Nachhinein angesprochen. Möglicherweise haben Sie miterlebt, wie Ihr Familienmitglied beinahe einen Unfall verursacht oder Verkehrsregeln missachtet hat. Ganz gleich, was passiert ist: Bleiben Sie ruhig und machen Sie ihm keine Vorwürfe. Denn Ihrem Angehörigen fällt es bestimmt nicht leicht, sich mit seinen altersbedingten Einschränkungen auseinanderzusetzen (erste Anzeichen für einen körperlichen oder geistigen Abbau, Rheuma, andere Krankheiten…). Wenn er das Fahrzeug nicht benutzen kann, könnte er dies als Rückschritt und als Verlust von Freiheit empfinden. Vielleicht befürchtet Ihr Angehöriger auch eine zunehmende Isolation, wenn er nicht mehr selber Auto fahren kann.

Wichtig sind deshalb Geduld und Einfühlungsvermögen. Zeigen Sie Ihrem Angehörigen, dass Sie ihn in dieser neuen Lebensphase unterstützen. Sie können das Thema beispielsweise zur Sprache bringen, indem Sie ihn fragen, wie er sich am Steuer fühlt. Kann er die Verkehrsschilder noch gut erkennen? Hat er Probleme bei bestimmten Fahrmanövern (beispielsweise Schwierigkeiten beim Drehen des Kopfs)? Fühlt er sich bei starkem Verkehr gestresst? Ist er sich bewusst, dass er für andere und sich selbst eine Gefahr darstellt?

Seine ersten Antworten können Ihnen helfen, zum nächsten Schritt überzugehen.

Kompromisse vorschlagen

Sie können Ihren Angehörigen einfacher dazu bringen, das Autofahren ganz aufzugeben, wenn er sich nach und nach bewusst wird, dass er den Anforderungen im Strassenverkehr nicht mehr gewachsen ist. Dazu können Sie ihm zum Beispiel zunächst einige Kompromisse ans Herz legen:

  • Schlagen Sie ihm vor, nachts sowie bei Regen oder Schneefall nicht mehr zu fahren.
  • Empfehlen Sie ihm Ausweichrouten, wenn er bisher vor allem stark befahrene Strassen benutzt hat.
  • Bitten Sie ihn, sein Auto nur für kurze Strecken zu nutzen und sich von jemandem begleiten zu lassen, wenn die Fahrt länger als 15 Minuten dauert.

Überprüfen Sie den Zustand seines Fahrzeugs: Ist das Auto betriebssicher? Bietet es eine gute Rundumsicht (ausreichend grosse Scheiben)? Ist die Schaltung einfach zu bedienen? Sie können mit Ihrem Angehörigen auch ein paar Verkehrsregeln besprechen, um sich zu vergewissern, dass er mit den neuen Vorschriften und Verkehrsschildern gut vertraut ist.

Aktiv bleiben, auch ohne eigenes Fahrzeug

Befürchtet Ihr älterer Angehöriger, dass er ohne eigenes Auto seine Freiheit verliert und nur noch eingeschränkt Ausflüge und Reisen unternehmen kann? Beruhigen Sie ihn und zeigen Sie ihm auf, dass er auch ohne eigenes Fahrzeug aktiv und selbstständig bleiben kann!

Dazu gibt es mehrere Lösungen:

  • Für Fahrten aus medizinischen Gründen kann er den Fahrdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes in Anspruch nehmen: Freiwillige holen ihn zu Hause ab und begleiten ihn zum Arzt oder ins Spital.
  • Andere Freiwillige des SRK kommen auf Wunsch zu Hause vorbei, um ihn zu besuchen oder ihm beim Einkaufen zu helfen.
  • Eine Lösung, die bei Menschen jeden Alters immer beliebter wird, ist das Nutzen von Mitfahrgelegenheiten. Zu geringen Kosten fährt man im Auto eines anderen Fahrzeugbesitzers mit, kann sich unterhalten und neue Leute kennenlernen und tut erst noch etwas Gutes für die Umwelt!
  • Falls Ihr Angehöriger noch mobil genug ist, kann er für bestimmte Fahrten auch den öffentlichen Verkehr benutzen.
  • Falls dies Ihnen und anderen Familienmitglieder möglich ist, können Sie Ihrem Angehörigen auch anbieten, ihn abwechselnd an verschiedene Orte zu begleiten.

Bestimmt auftreten und sich durchsetzen, wenn die Situation es erfordert

älterer Mensch gefährliches Fahren

 

 

Ist Ihr älterer Angehöriger am Steuer eine Gefahr für sich und andere und weigert er sich trotz Ihrer Anstrengungen hartnäckig, das Autofahren aufzugeben?

Das ist zweifellos keine einfache Situation für Sie. Doch um Ihren Angehörigen und die anderen Verkehrsteilnehmer zu schützen, müssen Sie bestimmt auftreten.

Sie können eine Drittperson wie den Hausarzt einschalten, damit dieser den Gesundheitszustand Ihres Angehörigen überprüft. Werden ein eingeschränktes Sehvermögen, Schwierigkeiten beim Drehen des Kopfes oder ein beeinträchtigtes Hörvermögen festgestellt, haben Sie gute Argumente, um Ihr Anliegen durchzusetzen. Der Arzt wird Ihrem Angehörigen klarmachen, dass er in diesem Zustand nicht mehr Auto fahren kann, und ihm die Risiken aufzeigen. In einem solchen Fall müssen das Fahrzeug und die Autoschlüssel möglichst rasch abgegeben werden. Diese Extremsituation erfordert viel Geduld und Gespräche, um Ihren Angehörigen zu beschwichtigen und zu verhindern, dass die Beziehung nicht darunter leidet.