Wenn ältere Menschen befürchten, ihren Angehörigen zur Last zu fallen

Einige empfinden das Älterwerden als positiv, während es für andere in erster Linie bedeutet, seine Selbstständigkeit zu verlieren. Zweifellos ist es nicht einfach, akzeptieren zu müssen, dass die Bewegungsfreiheit abnimmt, dass man sich nicht mehr selbst ankleiden, kochen oder den Haushalt erledigen kann. Noch schwieriger ist es, von seinen Angehörigen abhängig zu werden und das Gefühl zu haben, ihnen «Zeit zu stehlen».

Seniorenbelastung

Wie lässt es sich akzeptieren, täglich auf Hilfe angewiesen zu sein? Oder wie kann ein älterer Angehöriger beruhigt werden, der befürchtet, seinen Kindern und Enkeln im Alltag zur Last zu fallen? Gibt es Möglichkeiten, sich von Fachpersonen unterstützen zu lassen und mit seinem Umfeld weiterhin gute Beziehungen zu pflegen? Dazu einige Denkanstösse.

Haben Sie Verständnis für Ihren älteren Angehörigen und begleiten Sie ihn auf seinem Weg ins hohe Alter

Wer immer aktiv war und plötzlich von einem Familienmitglied abhängig wird, befindet sich in einer komplexen Situation, die verschiedene Ängste auslöst, insbesondere die Angst vor dem Tod. Das Alter akzeptieren, zufrieden auf sein bisheriges Leben zurückblicken und der Zukunft positiv entgegensehen – das ist zwar nicht unmöglich, aber ein Idealzustand, der schwierig zu erreichen ist.

Als Kind oder nahestehende Person eines älteren Menschen, der zunehmend auf Ihre Unterstützung angewiesen ist, wird Ihnen bewusst, dass die Jahre vergehen und Sie in eine neue Lebensphase eintreten. Sie werden noch verantwortungsbewusster und Ihnen wird unweigerlich klar, dass Sie eines Tages mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert sein werden.

Wenn Sie einem pflegebedürftigen Angehörigen einen Teil Ihrer Zeit widmen möchten, müssen Sie sich neu organisieren. Eine solche Betreuung ist eine intensive menschliche Erfahrung, die mit schwierigen Momenten, aber auch mit grosser Freude und Zufriedenheit verbunden ist: Sie können Ihren Angehörigen unterstützen, gute Momente mit ihm verbringen und ihm helfen, seine letzten Jahre möglichst angenehm zu verbringen.

Hat Ihr älterer Angehöriger von Ihnen bislang keine Hilfe in Anspruch genommen, aber stellen Sie nun fest, dass er zunehmend Mühe hat, im Alltag zurechtzukommen, oder dass er immer mehr sozial isoliert ist? Dies ist vielleicht der richtige Moment, um mit ihm das Gespräch zu suchen. Sie können ihm beispielsweise sagen, dass es für Sie beruhigend wäre, wenn er für bestimmte Aufgaben wie für die Reinigung der Wohnung externe Hilfe in Anspruch nehmen würde. Steht Ihr Angehöriger einer solchen Unterstützung eher ablehnend gegenüber, könnten Sie ihm vorschlagen, sich punktuell oder nur bei bestimmten Aufgaben helfen zu lassen. Später können Sie ihm dann zusätzliche Hilfe anbieten.

Gut zu wissen: Beim SRK können Sie lernen, ältere Angehörige zu Hause optimal zu betreuen. In unseren Kursen für pflegende Angehörige erfahren Sie, wie Sie verschiedene Aufgaben mit den richtigen Methoden sicher ausführen und wie Sie in schwierigen Situationen reagieren können. So sind Sie gut gerüstet, um mit Ihrem unterstützungsbedürftigen Angehörigen weiterhin eine gute Beziehung zu pflegen.

Altenpfleger hilft älterem Mann aus Rollstuhl ins Bett

 

Wie zeigen Sie einem älteren Angehörigen, dass er für sein Umfeld keine Last ist?

Ist Ihr älterer Angehöriger besorgt und will er Ihre Zeit nicht beanspruchen, weil er Ihnen nicht zur Last fallen will? Möchte er, dass Sie ein positives Bild von ihm bewahren, und versucht er, seine Schwächen vor seiner Familie zu verbergen?

Nach Möglichkeit sollten Sie andere Angehörige (beispielsweise Geschwister) bitten, sich ebenfalls regelmässig um den älteren Menschen zu kümmern. Wenn Sie die Aufgaben untereinander aufteilen, können Sie der betreuten Person aufzeigen, dass Sie auch noch Zeit für sich haben. Erstellen Sie einen Besuchsplan, damit Ihr älterer Angehöriger selbst feststellen kann, dass er nicht Ihre ganze Zeit in Anspruch nimmt.

Versuchen Sie auch, die verschiedenen Aufgaben nicht an seiner Stelle, sondern zusammen mit ihm zu erledigen. Wenn Sie den Haushalt machen, übertragen Sie ihm kleinere Arbeiten, denen er gewachsen ist. Schlagen Sie ihm vor, Sie beim Einkaufen zu begleiten… Dadurch fördern Sie auch seine Selbstständigkeit.

Fachpersonen und Freiwillige hinzuziehen

Falls Ihr Angehöriger trotz allem Ihre Unterstützung weiterhin eher ablehnt, schlagen Sie ihm vor, ihn nur noch zu besuchen, um in der Familie gemeinsam Zeit zu verbringen. Übertragen Sie die etwas heikleren alltäglichen Aufgaben an Fachpersonen oder Freiwillige, die mit älteren Menschen arbeiten. Die Körperpflege ist beispielsweise eine intime Angelegenheit, die Ihr Angehöriger unter Umständen nicht Ihnen überlassen möchte, weil ihm das unangenehm ist. Akzeptieren Sie das und überlassen Sie diese Aufgabe einer Drittperson, die angemessen und einfühlsam vorgehen wird.

Senior Patientin hält Hände der Ärztin

 

War Ihr Angehöriger immer sehr aktiv und hat er jetzt Mühe, sich mit seiner zunehmenden Unselbstständigkeit abzufinden? Fordern Sie ihn auf, an Aktivitäten teilzunehmen, die ihm Spass machen, damit er wieder Freude am Leben hat: Zeichnen, Musizieren, Lesen und Reisen! Wichtig ist, ihm zu zeigen, dass das Leben auch im fortgeschrittenen Alter weitergeht und immer noch schöne Überraschungen bereithält. Dazu gibt es verschiedene Lösungen: Seniorenreisen, Tageseinrichtungen, die verschiedene Gruppenaktivitäten anbieten, Besuche zu Hause durch Freiwillige des Schweizerischen Roten Kreuzes oder auch den Fahrdienst des SRK. Heute sind verschiedene Dienstleistungen verfügbar, mit denen die Selbstständigkeit gefördert wird und dank denen ältere Menschen länger zu Hause leben können: Auch Ihre Familie kann diese Angebote in Anspruch nehmen!

Auf der Website http://www.pflege-entlastung.ch/ des SRK finden Sie alle Informationen zum Thema.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Angehöriger in dieser Phase sehr schwertut, könnte unabhängig von Ihrer Situation eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Eine Fachperson kann Ihrem Angehörigen helfen, diese Herausforderung zu bewältigen und sich an die positiven Aspekte seines Lebens zu halten. So kann er nach und nach die Unterstützung annehmen, die Sie ihm anbieten.