Psychologische Erste Hilfe

Ein Notfall ist passiert. Du hast bereits Erste Hilfe geleistet und professionelle Rettung angefordert – hast du auch an die psychologische Erste Hilfe gedacht?

©SRK, Ruben Ung

Menschen können in aussergewöhnlichen Situationen wie Notfällen unterschiedliche psychische Verhalten zeigen. Einige reagieren beispielsweise hilflos und ängstlich, andere werden panisch oder aggressiv. Dabei können nicht nur verletzte oder kranke Personen auffällig reagieren, sondern auch andere Beteiligte wie Unfallverursacher, Angehörige, Zuschauende oder Helfende.
Sage der betroffenen Person, dass ihre psychischen Reaktionen normal sind und dazu beitragen, das Erlebte zu verarbeiten. Mit der 4-S-Regel kannst du ihr psychologisch beistehen:

  1. Sag, dass jemand da ist und dass etwas geschieht
    Die Betroffenen sollen spüren, dass sie nicht alleine sind. Gehe zu den Betroffenen und stehe nicht einfach herum. Schon der Satz: „Ich bleibe bei Ihnen, bis der Kran-kenwagen kommt“, wirkt entlastend und beruhigend. Patienten sollen auch über beab-sichtigte und bereits vorgenommene Massnahmen informiert werden, z.B. „Der Kran-kenwagen ist unterwegs“.
  2. Sprich und höre aktiv zu
    Sprechen kann für Betroffene wohltuend sein. Stelle dich der Person namentlich vor und frage, wie sie heisse. Höre geduldig zu, wenn Betroffene reden und suche Blick-kontakt. Versuche dabei nicht hektisch zu werden und passe deine Gesprächslaut-stärke an. Du kannst der Person auch Fragen stellen, um das Gespräch am Laufen zu halten. Falls die Person bewusstlos ist, spreche trotzdem mit ruhiger Stimme mit ihr.
  3. Suche vorsichtig Körperkontakt
    Viele Betroffene empfinden leichten Körperkontakt als angenehm und beruhigend. Halte deshalb die Hand oder die Schulter der Betroffenen. Berührungen am Kopf oder anderen Körperstellen sind hingegen nicht zu empfehlen. Begebe dich auf die gleiche Höhe wie die Betroffenen, am besten kniest du dich neben sie. Wenn Betroffene durch Kleidungsstücke eingeengt werden oder frieren, behebe das indem du z.B. ein paar Knöpfe öffnest oder sie mit etwas zudeckst.
  4. Schirme das Opfer vor Schaulustigen ab
    Neugierige Blicke sind für die Betroffenen unangenehm. Weise Schaulustige freund-lich, aber bestimmt zurück, indem du sagst „Treten Sie zurück, wir brauchen Platz.“ Wenn Zuschauerinnen und Zuschauer stören, weil sie unnötige Ratschläge geben o-der von eigenen Erlebnissen berichten, gib ihnen Aufgaben. So kann zum Beispiel je-mand die Unfallstelle absichern oder die Schaulustigen auf Distanz halten.

Folgende Gesprächsthemen solltest du unbedingt vermeiden:

  • Vorwürfe wie „Sie waren zu schnell unterwegs“ oder „Sie haben zu viel getrunken!“
  • Diskutiere nicht die Schuldfrage
  • Halte dich mit deiner eigenen Meinung zurück und versuche keine Problemlösung aufzu-drängen

Betreuung und Pflege von Angehörigen

Wer von uns möchte im Alter oder bei Krankheit nicht möglichst lange in der vertrauten Umgebung bleiben? Dieser Wunsch bleibt auch dann, wenn Beschwerden und Krankheiten zunehmend Einschränkungen im Alltag bringen. Unsere Kurse richtet sich an Personen, die Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen zu Hause übernehmen oder übernehmen möchten.