Wie wirkt sich ein Familienzuwachs auf Ihre Partnerschaft aus?

Eltern werden ist eine einmalige, wunderbare Erfahrung, die Ihr Leben von Grund auf verändert. An zahlreiche Veränderungen, welche die Geburt eines Kindes mit sich bringt, haben Sie als Paar möglicherweise nicht gedacht. Mit unseren Ratschlägen und guter Kommunikation wird es Ihnen gelingen, nicht nur Ihre neue kleine Familie zu geniessen, sondern auch Ihre Paarbeziehung weiterhin zu pflegen.

Famille avec enfant

Tauschen Sie sich immer wieder aus

Das gemeinsame Gespräch ist die Grundlage für eine langfristig gute Partnerschaft. Nach der Geburt ihres ersten Kindes haben Paare oft Schwierigkeiten, miteinander zu reden. Die kurzen Nächte und der veränderte Lebensrhythmus drücken auf die Stimmung der jungen Eltern, was der Kommunikation natürlich nicht förderlich ist.

Wir empfehlen Ihnen, regelmässig miteinander zu diskutieren. So können Sie sicherstellen, dass Sie sich mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner weiterhin gut verstehen und dass Sie die gleichen Vorstellungen von Ihrem jetzigen und künftigen Zusammenleben haben.

Für eine wirksame Kommunikation ist es wichtig, den richtigen Moment und die richtige Formulierung zu finden. Mit den folgenden Tipps gelingt es Ihnen, entspannt miteinander zu diskutieren:

  • Nehmen Sie sich jede Woche etwas Zeit, um sich über Ihre Partnerschaft, die Erziehung Ihres Kindes, Ihre kurz-, mittel- und langfristigen Ziele auszutauschen. Planen Sie diese Zeit ein und organisieren Sie sich so, dass Sie das Gespräch möglichst gemütlich gestalten können: bei einem Brunch, den Sie gemeinsam vorbereiten, bei einem Essen zu zweit im Restaurant, auf einem Spaziergang… Den Alltagstrott kurz zu unterbrechen und Ihr Kind den Grosseltern oder einem Babysitter anzuvertrauen, ist eine gute Möglichkeit, um als Paar zusammenzufinden und diesen Moment in vollen Zügen zu geniessen. In einem solchen Rahmen wird es Ihnen auch leichter fallen, einander zuzuhören und entspannt zu kommunizieren.
  • Für Paare, die nicht so viel Zeit haben, kann die 10/10-Methode interessant sein: Nehmen Sie sich zunächst zehn Minuten Zeit, um auf einem Blatt Papier Ihre Gefühle, Ihre Bedürfnisse sowie die Dinge festzuhalten, die Sie ärgern. Danach tauschen Sie das Blatt mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner aus und diskutieren während zehn Minuten über Ihre Standpunkte. Sie können bei dieser Übung ein spezifisches Thema angehen und sich das Ziel setzen, innerhalb dieser 10/10-Minuten einen Kompromiss zu erreichen.
  • Finden Sie es schwierig, miteinander zu reden, und befürchten Sie, Ihre Partnerin oder Ihr Partner könnte Ihre Sichtweise missverstehen? Versuchen Sie, Ihre Anliegen anders zu formulieren. Achten Sie darauf, keine Vorwürfe zu machen («das solltest du nicht so machen»), sondern beginnen Sie Ihren Satz mit einer neutraleren Formulierung («ich habe das Gefühl, dass…», «mir ist nicht wohl dabei, wenn…»). Sie werden sehen, dass die Kommunikation so einiges besser funktioniert!

Teilen Sie sich die Aufgaben im Alltag fair auf

Als Sie noch zu zweit waren, stellte sich die Frage nach der Arbeitsaufteilung im Alltag nicht. Sie hatten als Paar zu einem Gleichgewicht gefunden. Doch seit Ihr Baby auf der Welt ist, sieht die Sache plötzlich anders aus… Während einige Paare auf Anhieb zurechtkommen, kommt es bei anderen zu Konflikten im Zusammenhang mit den alltäglichen Arbeiten: Einer der Partner hat den Eindruck, stärker belastet zu sein als der andere, und beginnt sich zu nerven…

Um dies zu verhindern, lässt sich eine Übersicht über die täglichen Aufgaben erstellen: einkaufen, putzen, kochen… listen Sie einfach alles auf, was erledigt werden muss, und teilen Sie danach die Arbeiten fair unter sich auf.

Dasselbe können Sie mit den Aufgaben machen, die Ihr Baby betreffen: baden, nachts den Schoppen geben, spielen… So können Sie Ihr Zusammenleben als Familie harmonischer gestalten. Denn während zwischen Mutter und Kind schon während der Schwangerschaft eine enge Bindung besteht, gelingt es dem frischgebackenen Papa manchmal nicht auf Anhieb, seinen Weg zu finden.

Gehen Sie zusammen aus

Geniessen Sie Ihr neues Leben zu dritt so sehr, dass Sie am liebsten rund um die Uhr als Familie zusammen sind? Wunderbar, aber vergessen Sie nicht, auch Ihre Partnerschaft zu pflegen! Einige Monate nach der Geburt sollten Sie beginnen, Ihrer Paarbeziehung und Ihrer Zweisamkeit wieder etwas Aufmerksamkeit schenken.

Vielleicht erscheint es Ihnen zunächst undenkbar, Ihr Kind einer nahestehenden Person oder einem Babysitter anzuvertrauen. Das ist völlig normal! Konzentrieren Sie sich auf die Suche nach einer vertrauenswürdigen Person (über das Schweizerische Rote Kreuz können Sie einen ausgebildeten Babysitter in Ihrer Nähe finden, falls Ihre Angehörigen keine Zeit haben). Sobald dieser erste Schritt getan ist, können Sie sich unbeschwert gestatten, mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner auszugehen. Nehmen Sie sich Zeit, um sich in Ihrem Tempo daran zu gewöhnen. Vielleicht organisieren Sie zunächst einen Ausgang alle zwei Monate, dann einen pro Monat und schliesslich einen pro Woche… richten Sie sich ganz nach Ihren Bedürfnissen! Es gibt keine festen Regeln: Wichtig ist, dass Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner auf Ihre Wünsche und Gefühle achten.

Nach und nach werden Sie Freude daran haben, Zeit zu zweit zu verbringen und sich wieder von einer anderen Seite kennenzulernen.

Überraschen Sie sich ab und zu: Legen Sie Ihrer Partnerin eine Liebeserklärung neben die Zahnbürste, verwöhnen Sie Ihren Partner mit seinem Lieblingsgebäck, organisieren Sie ein Überraschungsessen zu Hause oder im Restaurant… Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Denken Sie gelegentlich auch an sich!

Fühlen Sie sich übermüdet und gestresst und haben Sie das Gefühl, all die anstehenden Aufgaben nicht mehr zu schaffen? Oder denken Sie manchmal sogar daran, alles hinzuschmeissen, obwohl Sie Ihre Familie lieben? Gelegentliche Zweifel sind völlig normal, doch sie sollten nicht zu lange anhalten.

Und wenn gar nichts mehr geht, sollten Sie sich Zeit nehmen, um ein wenig Abstand zu gewinnen und wieder zu sich zu finden: Unternehmen Sie einen Ausflug mit Freunden, einen Spaziergang im Wald oder lassen Sie sich einen Tag lang in einer Wellnessoase verwöhnen… gönnen Sie sich etwas Entspannung und Ruhe. Meist reichen ein paar Stunden Auszeit, um zu spüren, dass Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner und Ihr Kind vermissen. Und um sich daran zu erinnern, dass Sie sich diese Familie wirklich gewünscht haben und dass sie Ihnen wichtig ist.

Seien Sie auch weniger streng mit sich selbst: Ist das schmutzige Geschirr heute liegen geblieben? Oder haben Sie das Gefühl, Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner nicht genügend Zeit zu widmen? Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Machen Sie sich keine Gedanken: Das alles ist völlig normal und Sie müssen sich Zeit lassen, um sich neu zu organisieren. Manchmal kann es auch ratsam sein, Hilfe von aussen anzunehmen (Putzfrau, Babysitter…).

Erinnern Sie sich an Ihre Bedürfnisse und an das, was Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner aufgebaut haben. Und berücksichtigen Sie auch, dass in jeder Paarbeziehung Schwierigkeiten auftreten können, die jedoch nie unüberwindbar sind. Wenden Sie sich bei Bedarf an eine Fachperson, allenfalls zusammen mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner. Sie kann Ihnen helfen, eine Standortbestimmung vorzunehmen und Ihre Ängste anzugehen.

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt Paare auch mit verschiedenen Kursen: Nutzen Sie unsere Ratschläge und Tipps, wenn Sie Ihr erstes Kind erwarten, und erfahren Sie, wie Sie Ihre Paarbeziehung weiter stärken können.