Wie lassen sich Kinder und Jugendliche vor den Gefahren im Internet schützen?

Wird das Web gezielt genutzt, bietet es zahlreiche praktische Möglichkeiten (Vertiefung des Unterrichts, erleichterter Austausch mit Freundinnen und Freunden, kulturelle Entdeckungen…). Doch Kinder und Jugendliche sind auch verschiedenen Gefahren ausgesetzt und für Eltern ist es schwierig zu erkennen, wenn ihr Kind in Schwierigkeiten steckt. Ein erster Schritt, um Kinder zu schützen, besteht darin, den Risiken vorzubeugen, die im Internet bestehen. «Nicht verbieten, sondern begleiten»: Das ist immer noch die beste Lösung, um Kinder und Jugendliche zu unterstützen.

Mobbing im Internet oder Cybermobbing

Online-Belästigungsopfer

Wird ein Kind oder ein Jugendlicher im Web gemobbt, besteht das Hauptproblem darin, dass sich das wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken verbreitet. Die Belästigung beschränkt sich nicht mehr auf einen einzelnen Bereich (zum Beispiel auf die Schule), da indirekt einer grössere Zahl von Personen einbezogen wird. Umso mehr leidet das junge Opfer deshalb unter dem Cybermobbing.
Nicht immer findet Mobbing zudem nur unter Schülerinnen und Schülern statt: Unter Umständen wird das Kind auch von einer unbekannten Person mit bösen Absichten kontaktiert.

Mobbing kann unterschiedliche Formen annehmen: Beleidigungen, Verbreitung von Gerüchten oder kompromittierenden Bildern, Drohungen und bestimmte Forderungen (Überweisung von Geld…), Demütigungen…

Opfern von Cybermobbing fällt es häufig schwer zu reagieren. Sie getrauen sich nicht, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen – aus Scham oder Angst oder weil sie bedroht werden. In anderen Fällen sind sich die Kinder oder Jugendlichen gar nicht bewusst, dass das, was sie tun oder hinnehmen, nicht normal ist.

Wie lässt sich Cybermobbing verhindern?

Beginnen Sie möglichst früh, mit Ihrem Kind über die negativen Seiten des Internets und über Mobbing durch andere Schülerinnen und Schüler zu sprechen. Erklären Sie ihm, dass es Ihnen vertrauen kann und muss. Fordern Sie es auf, mit Ihnen über alles zu sprechen, was ihm nicht normal erscheint, ihm unangenehm ist oder es bedrückt.

Helfen Sie ihm, ein Bewusstsein für seinen Körper und seine Bedürfnisse zu entwickeln und auf sich selbst zu hören, damit ihm klar wird, was richtig und falsch ist. Verbieten Sie ihm, vor dem Alter von 13 Jahren ein Konto in einem sozialen Netzwerk zu eröffnen. Ist Ihr Kind schon älter, zeigen Sie ihm, wie es die sozialen Medien nutzen kann. Richten Sie sein Profil zusammen mit ihm ein (Datenschutz, Deaktivierung der Geolokalisierung). Weisen Sie das Kind auch darauf hin, was es unbedingt vermeiden sollte, wie zum Beispiel das Verbreiten von persönlichen Informationen und Fotos. Zudem sollte es weder ohne Ihre Erlaubnis an Wettbewerben teilnehmen noch ohne Ihr Wissen eine Bankkarte benutzen…

Erklären Sie dem Kind auch, dass es rücksichtsvoll mit anderen umgehen sollte, um nicht selbst zum Täter zu werden… Gruppendruck kann sich negativ auswirken: Zahlreiche Jugendliche beginnen nur deshalb zu mobben, um nicht selbst von Gleichaltrigen ausgeschlossen zu werden.

Inhalte für Erwachsene

Cybermobbing verhindern

Verhindern Sie so weit als möglich, dass Ihr Kind Zugang zu Inhalten für Erwachsene erhält, die es schockieren könnten (Gewalt, Pornografie, Verkauf von Drogen und Waffen…). Dazu stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Bei jedem Gerät mit Internetzugang (Smartphone, Computer, Tablet, Fernseher…) können spezifische Einstellungen vorgenommen werden. Neben der Kindersicherung und Virenschutzprogrammen mit entsprechenden Funktionen gibt es spezielle Programme, mit denen sich Inhalte filtern lassen, die für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind.

Sie werden nicht alles kontrollieren können, aber sprechen Sie mit Ihrem Kind: Das ist ein erster Schritt, um es zu schützen. Ermuntern Sie es auch, das Internet in Ihrer Gegenwart zu nutzen. Stellen Sie den Computer oder das Tablet zum Beispiel im Wohnzimmer auf. So können Sie einfacher überprüfen, welche Websites das Kind aufruft. Sehen Sie sich regelmässig den Browserverlauf an.

Schalten Sie schliesslich das WLAN zu einem Zeitpunkt aus, den Sie innerhalb der Familie vereinbaren.

Propaganda im Internet

Sektiererische Bewegungen, politische Ideologien, Aufrufe zu Hass und Gewalt… viele nutzen das Internet zu Propagandazwecken. Es besteht die Gefahr, dass sich Jugendliche von einer eindringlichen, scheinbar gut begründeten Argumentation manipulieren lassen. Einsamkeit, das Bedürfnis, dazuzugehören oder sich von anderen abzuheben, aber auch das Streben nach Wertschätzung… Jugendliche können sich aus unterschiedlichen Gründen von Propaganda vereinnahmen lassen. Unter einem solchen Einfluss kann das Opfer auf dumme Gedanken kommen und sich zu Gewalthandlungen hinreissen lassen, ohne sich wirklich bewusst zu sein, was es anderen und sich selbst zufügt.

Es gibt eine gute Möglichkeit, Ihr Kind vor Propaganda zu warnen: Diskutieren Sie mit ihm über das Thema und lassen Sie es dann gewisse Informationen selbst überprüfen. Fordern Sie es auf, möglichst viel über die Themen in Erfahrung zu bringen, die es interessieren, und sie unter verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Sie können dem Kind auch zeigen, dass einzelne Internetnutzer jeden Tag unzählige falsche oder fehlerhafte Informationen verbreiten, um Ideen zu unterstützen oder Menschen zu schaden. Diese Informationen lassen sich einfach erkennen, da sie oft nur über Websites und Seiten verbreitet werden, die kaum bekannt sind.

Anstiftung zu gefährlichen Mutproben

Ermutigen Sie einen Teenager, sich einer gefährlichen Herausforderung zu stellen

Im Web gibt es unzählige viral verbreitete Videos, die Kinder und Jugendliche zu riskantem Blödsinn verleiten. Es ist normal, dass sich Jugendliche hervortun und ihre Freunde verblüffen möchten. Doch dabei sollten sie nicht ihre Gesundheit oder gar ihr Leben aufs Spiel setzen.

Würgespiele, Sprünge ins Leere, Angriffe auf Menschen, Konsumieren von giftigen Putzmitteln… im Internet wimmelt es nur so von dummen, schockierenden und gefährlichen Mutproben. Wie lässt sich verhindern, dass es zu einem Drama kommt? In unserer Gesellschaft haben Bilder einen hohen Stellenwert. Das weckt bei einigen Jugendlichen das Bedürfnis, andere zu beeindrucken. Leichtsinn und das Gefühl, alles sei möglich, führen dann zu Entgleisungen.

Auch hier geht es für die Eltern darum, mit dem Kind zu sprechen und auf es einzugehen. Vermitteln Sie Ihren Kindern oder Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet: Das ist das beste Mittel, um sie zu schützen.

Internetsucht

Cyberaddiktion eines Teenagers

Trotz allen Risiken, die im Web lauern – die verbreitetste Gefahr bleibt die Online-Abhängigkeit. Der junge Internetnutzer verbringt übermässig viel Zeit im Netz und vernachlässigt gleichzeitig andere Aktivitäten, sogar ganz grundlegende wie duschen, essen und sich mit der Familie unterhalten. Eine Internetabhängigkeit kann verschiedene negative Folgen nach sich ziehen:

  • Isolation, Schwierigkeiten, ein Gespräch zu führen oder sich in eine Gruppe zu integrieren
  • Nervosität oder Aggressivität, wenn das Web nicht genutzt werden kann
  • Desinteresse an der Schule oder Ausbildung
  • Bewegungsmangel
  • Deregulierung der inneren Uhr

Um ihre Online-Sucht zu überwinden, muss die betroffene Person zuerst erkennen, dass etwas nicht stimmt. Die virtuelle Welt ist in die reale eingedrungen, um eine Leere auszufüllen. Deshalb kann psychologische Unterstützung notwendig sein.

In einem zweiten Schritt sollte sich die betroffene Person für ausserschulische Aktivitäten anmelden und sich daran beteiligen. So kann sie wieder soziale Kontakte knüpfen und sich neuen Interessen zuwenden. Aktivitäten in der Natur und körperliche Bewegung helfen, zu sich zu kommen und neue Energie zu tanken. Wichtig ist, wieder zu sich selbst zu finden.