Wie kann ich mein Kind ruhig beschäftigen – ohne Smartphone und Tablet?

Smartphones und Tablet-Computer gehören heute auch für Kinder zum Alltag. Ob im Wartezimmer, beim Besuch von Freunden, an einem Familientreffen oder um ein Kind vorübergehend zu beschäftigen: Bei zahlreichen Gelegenheiten überlassen Eltern ihren Sprösslingen ihr Smartphone oder Tablet. Doch sind diese Geräte für Kinder und vor allem für Kleinkinder geeignet? Die immer häufigere Nutzung von Handys und Tablets ist auch Ausdruck einer weiteren Zeiterscheinung: Wir fürchten uns vor der Leere und haben verlernt, mit Langeweile richtig umzugehen.

Wie kann ich mein Kind ruhig beschäftigen – ohne Smartphone und Tablet?

Mobiltelefon und Tablet: Gefahren für Kinder

Viele Experten und Studien zeigen auf, welche Risiken bestehen, wenn Kinder und Kleinkinder Zugang zu Smartphones und Tablets haben. Denn diese Geräte können sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken:

  • Verzögerungen bei der Sprachentwicklung
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Unterentwickelte Motorik (während andere Tätigkeiten den Tastsinn und die räumliche Wahrnehmung des Kindes fördern)

Smartphones und Tablets können Aktivitäten und Spiele nicht ersetzen, bei denen Kinder mit Gegenständen hantieren und mit Familienmitgliedern kommunizieren.

Trotzdem: Manchmal gelingt es Ihnen einfach nicht, Ihr Kind dazu zu bringen, sich ruhig zu beschäftigen. Auch wenn Sie Ihr Handy eigentlich von ihm fernhalten möchten, kapitulieren Sie in solchen Situationen immer wieder und weichen von Ihren guten Vorsätzen ab.

Wie lässt sich das verhindern?

Es ist nicht nötig, die Nutzung von Smartphones und Tablets völlig zu verbieten, doch sie sollte in einem klaren Rahmen erfolgen.

Es wird davon abgeraten, Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren vor einen Bildschirm zu setzen (Fernseher, Computer, Mobiltelefon, Tablet). Im Alter von drei bis sechs Jahren kann ein Kind beginnen, solche Geräte zu benutzen, allerdings immer zusammen mit einem Erwachsenen. Dies gilt auch bei älteren Kindern, bei denen auf eine massvolle Nutzung zu achten ist.

Wenn Sie ab der Geburt mit Ihrem Kind spielen, ohne dazu elektronische Geräte einzusetzen, unterstützen Sie seine körperliche und psychische Entwicklung am besten. Gleichzeitig fördern Sie damit auch seine Fähigkeit, mit seinem Umfeld zu kommunizieren.

Sehr wichtig ist zudem, dass ihr Kind lernt, mit Langeweile richtig umzugehen. Langeweile ist etwas völlig Natürliches und wirkt sich sehr positiv auf das Wohlbefinden des Kindes aus. Ausserdem regt sie seine Kreativität an!

Einigen Kindern fällt es schwerer, sich zu beschäftigen und zur Ruhe zu kommen. Hat sich Ihr Kind bereits daran gewöhnt, regelmässig ein Mobiltelefon oder Tablet zu benutzen, sollten Sie als Erstes gewisse Regeln festlegen. Dazu bestehen verschiedene Möglichkeiten:

  • Nutzungszeiten vorgeben: Die Geräte und das WLAN werden zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeschaltet, um nachts eine Nutzung zu verhindern. Als Eltern können Sie die Mobilgeräte auch an einem abgeschlossenen Ort verstauen, der für die Kinder nicht zugänglich ist.
  • Bildschirmfreie Zeiten festlegen, insbesondere während der gemeinsamen Mahlzeiten und morgens vor der Schule. Sie können auch vorsehen, dass Mobilgeräte zu Hause nur am Wochenende erlaubt sind.
  • Eine Gegenleistung verlangen: Nur wenn Ihr Kind seine Hausaufgaben sorgfältig erledigt und in der Schule gute Noten erzielt, darf es das Handy oder Tablet benutzen.
  • Verlangen Sie von Ihrem Kind, dass es bei der Benutzung eines Mobilgeräts in Ihrer Nähe bleibt. So können Sie die Gerätenutzung besser kontrollieren. Sie können auch zusammen mit Ihrem Kind die Spiele aussuchen, die es spielen darf.

Haben Sie etwas Geduld mit Ihrem Kind, wenn es zunächst Mühe hat, mit Langeweile richtig umzugehen. Versuchen Sie, es mit anderen Spielen und Aktivitäten zu beschäftigen:

  • Schlagen Sie Ihrem Kind vor, Gesellschaftsspiele oder andere altersgerechte Spiele mitzunehmen, wenn Sie ins Restaurant gehen oder Verwandte besuchen.
  • Sie können Ihr Kind auch für verschiedene körperliche und kreative Aktivitäten anmelden, damit es seine Interessen entwickeln kann.

Zeigt Ihr Kind bereits gewisse Anzeichen einer Abhängigkeit von Mobilgeräten und kommen Sie fast nicht mehr an es heran? Dann sollten Sie versuchen, sich ihm behutsam und geduldig wieder zu nähern. Zunächst geht es darum, die Mobilgeräte und ihre schädlichen Auswirkungen auf Ihr Kind nicht zu verteufeln: Zeigen Sie Interesse für seine Online-Spiele. Lassen Sie sich die Spiele von ihm erklären und fragen Sie es, ob Sie sie zusammen mit ihm spielen können. Wichtig ist, wieder mehr Nähe zu Ihrem Kind aufzubauen und gemeinsame Erfahrungen zu machen. Dann ist es anschliessend einfacher, ein ernsthaftes Gespräch zu führen und Ihrem Kind Ihre Befürchtungen in aller Ruhe darzulegen.

Bei Bedarf können Sie sich an eine Gesundheitsfachperson wenden, die Ihnen helfen kann, gegen die Internetabhängigkeit Ihres Kindes vorzugehen. Unterstützung erhalten Sie auch beim Schweizerischen Roten Kreuz: In verschiedenen Kursen für Eltern vermittelt es wertvolle Tipps für ein harmonisches Familienleben.