Tod der Partnerin oder des Partners: Wie sage ich es meinem Kind?

Es ist schwierig, Worte zu finden, um einem Kind den Tod seiner Mutter oder seines Vaters zu erklären. Mit einem Elternteil verliert das Kind auch ein Vorbild und einen Menschen, der es behütet hat. Das Gleichgewicht in der Familie gerät aus den Fugen. Ganz gleich wie alt das Kind ist: Versuchen Sie nicht Ihre Traurigkeit vor ihm zu verbergen. Haben Sie Angst, nicht die richtigen Worte zu finden? Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Ratschläge, Ihr Kind möglichst gelassen über den Tod Ihrer Partnerin oder Ihres Partners zu informieren.

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Nachricht ruhig überbringen und dem Kind erklären, wie die kommenden Wochen ablaufen werden

Ihr Kind ist ein vollwertiges Mitglied Ihrer Familie. Deshalb sollte es möglichst rasch verstehen können, was geschehen ist – noch bevor Sie Ihre anderen Angehörigen informieren. So kann das Kind erkennen, wie wichtig es in der Familie ist und von den Menschen in Ihrem Umfeld Unterstützung erhalten. Haben Sie eine besonders enge Beziehung zu einem anderen Mitglied der Familie? Vielleicht möchten Sie diese Person (zum Beispiel eine Grossmutter) bitten, Sie beim Überbringen der Nachricht zu begleiten.

Wählen Sie nach Möglichkeit einen ruhigen Moment und einen vertrauten Ort wie die eigene Wohnung, um das Kind zu informieren. Versuchen Sie möglichst ruhig zu bleiben und erklären Sie Ihrem Kind, was geschehen ist. Sie werden dazu bestimmt Ihren ganzen Mut zusammennehmen müssen, aber reden Sie mit Ihrem Kind fast wie mit einem Erwachsenen.

Denn es wird bestimmt auf die Gefühle achten, die Sie im Gespräch vermitteln, und diese auf seine eigene Trauer übertragen. Versuchen Sie Ihre Emotionen zu kontrollieren, auch wenn Ihnen das schwerfällt. Damit ermöglichen Sie Ihrem Kind möglichst gelassen zu bleiben. Natürlich bedeutet das nicht, dass Sie keinerlei Emotionen zeigen dürfen. Sie werden bestimmt starke Gefühle empfinden. Erklären Sie Ihrem Kind, dass sie völlig normal sind: Jeder Mensch hat das Recht traurig zu sein und muss einen Trauerprozess durchmachen.

Danach sollten Sie dem Kind erklären, wie die nächsten Wochen ablaufen werden: Sagen Sie ihm, dass Sie in den kommenden Tagen die Beerdigung Ihrer Partnerin oder Ihres Partners vorbereiten werden. An diesem Tag kann sich Ihr Kind von der oder dem Verstorbenen verabschieden. Falls es möchte, kann es auch einen Abschiedsbrief verfassen oder eine Zeichnung machen. Hat Ihr Kind noch nie an einer Beisetzung teilgenommen? Dann können Sie ihm erklären, dass Menschen auf diese Weise die Verstorbenen ehren, die sie geliebt haben. In unserer Tradition kommen bei einer Beerdigung die Menschen zusammen, die der verstorbenen Person nahegestanden sind. Für die Trauerfamilie ist es tröstlich sich auf die Familie, den Freundeskreis und die Bekannten verlassen zu können, wenn sie sich traurig fühlt.

Die folgenden Wochen werden anders als sonst sein. Haben Sie keine Angst dem Kind zu sagen, dass sich vielleicht einige Dinge ändern werden. Erklären Sie ihm, dass Sie möglicherweise umziehen oder während einiger Zeit nicht arbeiten werden. Versichern Sie ihm aber, dass Sie da sein werden, um ihm zu helfen, sich an die bevorstehenden Veränderungen anzupassen.

«Das Leben geht weiter» auch wenn es anders und anfangs schwierig ist.

Vielleicht erleichtert es dem Kind und Ihnen den Alltag, wenn ein Angehöriger zu Ihnen zieht oder regelmässig bei Ihnen vorbeikommt. Ihr Kind kann auch seine Freundinnen und Freunde nach Hause einladen, um sich nicht alleine zu fühlen. Manchmal vertrauen sich Kindern lieber ihren Kolleginnen und Kollegen als den Eltern an. Das ist nicht tragisch. Wichtig ist, dass das Kind seine Gefühle ausdrücken kann.

Eine unerwartete Reaktion

Machen Sie sich keine Sorgen, falls das Kind kaum oder gar nicht reagiert, wenn Sie ihm mitteilen, dass sein Papa oder seine Mama gestorben ist. Möglicherweise spielt es einfach weiter oder geht wieder fernsehen. Kinder reagieren manchmal überraschend. Das bedeutet jedoch nicht, dass Ihr Kind Sie nicht verstanden hat. Ein kleines Kind benötigt zweifellos weitere Erklärungen. In diesem Fall wird es wieder zu Ihnen kommen und Fragen stellen. Bei einem etwas älteren Kind kann es sich um einen Schutzmechanismus handeln: Es braucht Zeit, um die Nachricht zu verdauen und seinen Mut zusammenzunehmen, um mit Ihnen zu sprechen. Drängen Sie das Kind nicht. Haben Sie Geduld und warten Sie, bis es das Bedürfnis hat, darüber zu sprechen. Wenn allerdings mehrere Tage oder gar Wochen vergehen, ohne dass es das Thema anspricht, sollten Sie etwas unternehmen: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kind, damit es sich nicht in sich zurückzieht. Helfen Sie ihm seine Gefühle allmählich zu äussern.

Das Kind in seinem Trauerprozess unterstützen

Ein Kind trauert entsprechend seiner Entwicklung. Seine Trauer kann sich auf unterschiedliche Weise äussern:

  • Auf der Gefühlsebene: Weinen, Trotz, Wut, Ungeduld, Nervosität, Ängstlichkeit
  • Auf der körperlichen Ebene: Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, zugeschnürter Hals, Appetitlosigkeit oder Appetitsteigerung, Schlafstörungen oder Bettnässen
  • Auf der sozialen Ebene: Abkapselung, Probleme in der Schule, Lernschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, ungewöhnliche Zeichnungen, Verhaltensstörungen

Alle dieser Äusserungen sind bei einem trauernden Kind normal. Dennoch sollten sie im Auge behalten werden. Zudem stehen je nach Alter des Kindes unterschiedliche Äusserungen der Trauer im Vordergrund. Haben Sie Geduld und lassen Sie sich bei Bedarf helfen: Neben Ihren Angehörigen können Sie auch bei Gesundheitsfachpersonen Unterstützung erhalten.

Sie können Ihr Kind auch auffordern, sich sportlich zu betätigen oder eine Aktivität aufzunehmen, bei der es Kontakt zu Tieren hat. Wer im Leben mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat empfindet solche Aktivitäten oft als wohltuend. Zwingen Sie das Kind aber nicht zu einer Aktivität.

Überlassen Sie nichts dem Zufall. Aber vergessen Sie auch nicht: Für Ihr Kind zählt vor allem, dass Sie für es da sind.

Schenken Sie ihm Zeit und Aufmerksamkeit: Sprechen Sie mit ihm, nehmen Sie es in den Arm und unternehmen Sie gemeinsam etwas, um sich gegenseitig wieder Freude am Leben zu vermitteln und sich noch näherzukommen.

Was kommt danach?

Möglicherweise fragt sich Ihr Kind was nach dem Tod kommt. Sie sollten diesem Thema keinesfalls ausweichen oder sich genieren mit dem Kind darüber zu sprechen. Sagen Sie ihm, dass das interessante Frage ist und diskutieren Sie mit ihm über Ihre Überzeugungen. Sprechen Sie aber vor allem auch über das Leben. Erinnern Sie Ihr Kind daran, dass das Leben ein Geschenk ist und dass jede Minute ausgekostet werden sollte.