Mein Kind wünscht sich ein Haustier – was nun?

«Ich hätte so gerne ein Haustier!»
Ab einem bestimmten Alter äussern fast alle Kinder diesen Wunsch, der bei vielen Eltern auf wenig Begeisterung stösst. Handelt es sich bloss um eine vorübergehende Laune Ihres Kindes  oder wirklich um ein tiefsitzendes Bedürfnis? Wie finden Sie das heraus und wie verhalten Sie sich am besten?

Enfant et animal de compagnie

Flüchtige Laune oder echter Herzenswunsch?

Bevor Sie eine Entscheidung treffen, ist es wichtig, dass Sie die wirklichen Gründe Ihres Kindes verstehen. Ist der Wunsch darauf zurückzuführen, dass eine Freundin oder ein Freund seit Kurzem ein Tier hat, und wird sich die Begeisterung wahrscheinlich bald wieder legen? Oder besteht ein echtes Bedürfnis und fehlt Ihrem Kind etwas, was das Tier ihm geben kann?

Bestimmt ist Ihnen klar, dass ein Haustier das Leben zwar bereichern kann, dass es jedoch auch viel Aufmerksamkeit benötigt. Vor allem, wenn Sie in den Ferien verreisen möchten, kann ein Tier auch zu einem Hemmschuh werden. Ganz gleich, ob Sie für die Idee, ein Haustier aufzunehmen, grundsätzlich offen sind: Nehmen Sie sich zunächst genügend Zeit, um Ihren Kind die Vor- und Nachteile zu erklären, die mit der Haltung eines Haustiers verbunden sind.

Fragen Sie Ihr Kind auch, weshalb es sich ein Tier wünscht. Dieser Wunsch tritt oft bei Einzelkindern auf oder bei Kindern, die in der Schule Einzelgänger sind. Erkundigen Sie sich, ob auch seine Kolleginnen und Kollegen Tiere haben. So können Sie herausfinden, ob es sich bloss um eine vorübergehende Laune handelt.

Welche Vorteile bringt das Halten eines Tiers dem Kind?

Handelt es sich um eine gut überlegte Entscheidung, ist das Halten eines Tiers für das Kind und die ganze Familie auf jeden Fall positiv. Denn ein Haustier fördert die Selbständigkeit: Das Kind lernt, Verantwortung zu übernehmen. Es muss sich um sein Tier kümmern und bestimmte Aufgaben übernehmen: ihm zu fressen geben, mit ihm spielen und ihm Streicheleinheiten schenken, für sein Wohlbefinden und seine Hygiene sorgen. Das Kind entdeckt so auch die natürlichen Phasen des Lebens (Trächtigkeit, Krankheit, Tod…) und lernt, sich damit auseinanderzusetzen.

Auf diese Weise lernt es, sich um ein anderes Lebewesen zu kümmern, was ihm persönliche Befriedigung vermittelt. Durch das Heranwachsen mit dem Tier erlangt das Kind ausserdem zunehmende Selbständigkeit.

Durch den Umgang mit einem Haustier in der Kindheit wird auch die Rücksichtnahme gegenüber anderen gefördert. Das Kind muss begreifen, dass ein Tier kein Spielzeug ist und dass es auf dessen Bedürfnisse eingehen muss. Das Tier ist ehrlich: Hat es keine Lust auf etwas, gibt es das dem Menschen klar zu verstehen.

Erster Test und endgültige Entscheidung

Ihre Antwort fällt positiv aus

Sie haben sich alles reiflich überlegt: die Vor- und Nachteile, die finanziellen Aspekte, den verfügbaren Platz zu Hause, allfällige Allergien… und die Antwort ist positiv? Bestens! Nun müssen Sie nur noch das Haustier auswählen, das Sie aufnehmen möchten. Wir wünschen Ihnen viele schöne Momente mit dem neuen Mitglied Ihrer Familie!

Sie sind noch unsicher…

Eigentlich mögen Sie Tiere ja auch! Sie sind fast bereit, den Schritt zu wagen, aber etwas hält Sie noch zurück? Wieso nehmen Sie nicht zunächst ein paar Tage lang ein Tier bei sich auf, bevor Sie sich ganz auf dieses Abenteuer einlassen? Eine gute Gelegenheit für einen ersten Test bietet die Ferienzeit: Bestimmt kennen Sie jemanden mit einem Tier, der gerne verreisen möchte. Schlagen Sie dieser Person doch vor, das Tier in ihrer Abwesenheit zu hüten.

Falls Sie noch unsicher sind, können Sie auch ein Tier wählen, das keine hohen Ansprüche stellt (zum Beispiel einen Fisch), bevor Sie sich ein Tier wie einen Hund oder eine Katze zulegen, das stark von Ihnen abhängig sein wird.

Ihre Antwort lautet nein

Sie sind nicht bereit, ein Tier aufzunehmen? Niemand macht Ihnen deswegen einen Vorwurf. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Wünsche und Möglichkeiten realistisch einschätzen und entsprechend entscheiden. So verhindern Sie, dass ein Tier möglicherweise vernachlässigt wird. Nehmen Sie sich Zeit, um Ihrem Kind Ihre Entscheidung zu erklären. Denn handelt es sich wirklich um einen Herzenswunsch des Kindes, benötigt es Unterstützung und Zuwendung, um Ihre Entscheidung zu verstehen und zu akzeptieren.

Ein guter Kompromiss: Weshalb melden Sie nicht zusammen mit Ihrem Kind als Freiwillige bei einem Verein, der sich um Tiere kümmert. So können Sie als Familie gemeinsam etwas unternehmen und zugleich etwas Gutes tun.

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt Eltern bei ihrer Aufgabe. Benötigen Sie Rat, um eine bestimmte Situation mit Ihrem Kind zu bewältigen? Besuchen Sie unsere Kurse: Unsere Fachpersonen für Kleinkinderziehung können Ihnen weiterhelfen! www.redcross-edu.ch.