Ist es schlimm, wenn Sie sich als Eltern vor Ihren Kindern streiten?

Fast jedes Paar gerät sich früher oder später vor seinen Kindern in die Haare. Was lässt sich bei einer Meinungsverschiedenheit unternehmen? Sollte Streit um jeden Preis vermieden werden?

 

Dispute des parents devant leur enfant

Erster Schritt: Nehmen Sie es locker!

Heute haben viele Eltern Schuldgefühle, wenn sie sich vor den Augen ihrer Kinder streiten. Doch wenn Paare dem geringsten Missklang um jeden Preis aus dem Weg gehen wollen, lassen sie ausser Acht, dass Meinungsverschiedenheiten zu einem Leben zu zweit gehören. Es gibt keine Beziehung, die stets rundum harmonisch und ohne jegliche Reibung verläuft: In einer Familie ist man sich ganz einfach nicht immer einig. Ein Kind, dass das nie miterlebt, könnte mit einem falschen Bild von einer Paarbeziehung aufwachsen. Wenn Sie Ihrem Kind zeigen, dass Sie sich nach einer Meinungsverschiedenheit wieder versöhnen können, wird es lernen, dass sich trotz unterschiedlichen Auffassungen gemeinsam eine Lösung finden lässt.

Wenn Sie sich vor Ihrem Kind versöhnen, wird es auch erkennen, dass es das Gleiche mit einem Schulkameraden und später mit seinem Partner tun kann. Versuchen Sie nach Möglichkeit, sich rasch wieder zu versöhnen: Damit verhindern Sie, dass sich in Ihrem Alltag eine schlechte Stimmung breit macht. Hält die Spannung, selbst nur unterschwellig, über mehrere Tage an, bleibt sie für Ihre Kinder wahrnehmbar und kann sie belasten.

Wenn die Kinder schliesslich gewisse Verhaltensweisen nicht verstehen, sollten Sie auf ihre Fragen eingehen: So verhindern Sie, dass Ihre Meinungsverschiedenheiten zu einem Tabuthema werden.

Streit kommt in den besten Familien vor. Konflikte gehören zum Leben, dürfen aber nicht in Gewalt ausarten.

Zweitens: Finden Sie das richtige Mass.

Damit ist Ihnen nun sicherlich klar, dass Ihre Kinder nicht traumatisiert werden, wenn Sie sich als Paar einmal in die Haare geraten… Allerdings dürfen die Konflikte weder zu häufig auftreten noch vulgär oder gewalttätig ausgetragen werden. Denn ständiger Streit, der zu verbalen oder körperlichen Entgleisungen führen, wirkt sich verheerend aus – sowohl auf Ihre Paarbeziehung als auch auf Ihren Nachwuchs. Nehmen Sie sich vor solchen Ausrutschern besonders in Acht, wenn Ihre Kinder im Kleinkind- oder Jugendalter sind: Kinder und Heranwachsende sind in diesen Phasen emotional besonders empfindlich.

Wenn bei Ihnen zu regelmässige oder zu heftige Streitigkeiten auftreten, wird dies auch negative Auswirkungen auf Ihr Kinder haben. Nehmen Sie sich in diesem Fall Zeit, Ihre Bedürfnisse und

Ihre Frustation möglichst ruhig zu äussern, sich gegenseitig zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu finden, die für Sie beide stimmen.

Was in solchen angespannten Momenten auch passiert: Das Geheimnis liegt darin, nach einer Meinungsverschiedenheit die Beziehung zum anderen wieder aufzunehmen. Wenn Sie einen Streit mit einem positiven Verhalten beenden, vermitteln Sie Ihrem Kind, wie es künftig mit Konflikten umgehen kann: Damit lernt es etwas Wichtiges für seine Freundschaften und für sein Erwachsenenleben.

Möchten Sie besser auf derartige Situationen vorbereitet sein? Erkundigen Sie sich beim Schweizerischen Roten Kreuz, das Kurse für Eltern anbietet.