Gut gerüstet ins Au-Pair-Abenteuer

Au-Pair-Einsätze sind ideal für Jugendliche oder Studierende, die reisen, eine Fremdsprache erlernen und eine neue Kultur kennenlernen möchten. Au Pairs werden von einer Gastfamilie in einer anderen Sprachregion oder im Ausland aufgenommen. Gegen Kost und Logis und eine Entschädigung arbeiten sie für die Familie. Meist betreuen sie die Kinder.

Jeune fille au pair

Wer kann Au Pair werden?

Au-Pair-Aufenthalte sind ein Konzept, das im 19. Jahrhundert entstanden ist und sich ab 1950 in breitem Umfang durchgesetzt hat. Meist handelt es sich um Personen, die gerne reisen und mehrere Monate in einer anderen Sprachregion oder im Ausland verbringen möchten. Au-Pair-Einsätze werden in der Regel von Studierenden und jungen Menschen im Alter von 17 bis 30 Jahren geleistet. Die meisten Angebote richten sich an junge Frauen. Ausserdem sollten Au Pairs ledig und kinderlos sein.

Au Pair und Gastfamilie: ein Austausch, der beiden etwas bringt

Damit Au Pairs die lokale Kultur kennenlernen können, werden sie in Gastfamilien untergebracht. Dort übernehmen sie Aufgaben wie Kinderhüten, Haushaltarbeiten, Zubereitung von Mahlzeiten usw.

Neben Unterkunft und Verpflegung erhalten die meisten Au Pairs während ihres Aufenthalts einen Lohn. Mit dieser Entschädigung können sie die wöchentlichen Sprachkurse, den Besuch von kulturellen Veranstaltungen und weitere persönliche Auslagen finanzieren.

Für die Gasteltern bedeutet die Aufnahme eines Au Pairs in ihrer Wohnung eine Entlastung: So können sie sich mehr Zeit für ihre Kinder oder für sich selbst nehmen. Für die Kinder ist das Au Pair eine neue Bezugsperson, mit der sie sich ähnlich wie mit Geschwistern oder Freunden austauschen können. Dank dem Au Pair erhalten die Kinder auch Gelegenheit, eine andere Kultur und eine Fremdsprache kennenzulernen.

Gut zu wissen: Beim Schweizerischen Roten Kreuz haben angehende Au Pairs die Möglichkeit, einen Kurs zur Vorbereitung auf ihren Einsatz oder einen Babysittingkurs zu besuchen. So sind sie für den Aufenthalt in ihrer Gastfamilie bestens gerüstet. In dieser Ausbildung wird eine Vielzahl von Themen angesprochen: Möglichkeiten zur Beschäftigung der Kinder, Tipps für die Betreuung von Babys, richtiges Handeln im Notfall usw.

Bei einem Au-Pair-Einsatz steht das Erlernen einer Fremdsprache im Vordergrund.

Erfahrungsbericht von Anaïs: eine unvergessliche Zeit

Nach ihrem Au-Pair-Aufenthalt in London hat uns Anaïs erzählt, was sie erlebt hat.

Für sie war dieser Einsatz eine der besten Erfahrungen, die sie je gemacht hat: «Nach der Matura wollte ich unbedingt einige Zeit ins Ausland, bevor ich das Studium an der Universität aufnahm. Leider fehlte mir das Geld, um ein ganzes Jahr lang zu reisen. Zum Glück ich fand heraus, dass ich als Au Pair im Ausland arbeiten konnte. Drei Monate später war ich schon unterwegs nach England. Dieses Land interessierte mich und bot mir Gelegenheit, eine Sprache zu lernen, die mir fast überall auf die Welt die Türen öffnen würde. Ich hatte Glück, denn meine Gastfamilie nahm mich sehr herzlich auf und betreute mich während des ganzen Aufenthalts sehr gut. Schon nach kurzer Zeit waren wir uns ganz vertraut und hatten gelernt, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Künftigen Au Pairs empfehle ich übrigens, von Anfang an die Regeln festzulegen, die für sie selbst, die Gasteltern (zum Beispiel Ausgangszeiten, Recht, Freunde nach Hause einzuladen, usw.) und die Kinder gelten. Denn oft versuchen Kinder, die Grenzen des Au Pairs auszuloten, vor allem, wenn dieses noch sehr jung ist.

Jeune fille tenant un globe

In der Regel begleitete ich die Kinder morgens zur Schule. Im Verlauf des Vormittags lernte ich ein bisschen Englisch, erledigte einige Haushaltarbeiten und bereitete das Mittagessen zu. Mittags holte ich die Kinder ab und brachte sie nach dem Essen in die Schule zurück. Am Nachmittag fuhr ich in die Stadt, ging mit englischen Freunden aus und informierte mich, wie es meinen Angehörigen ging. Danach bereitete ich das Nachtessen für die ganze Familie zu und half den Kindern bei den Hausaufgaben. Abends hatte ich jeweils frei. Pro Woche arbeitete ich 25 bis 30 Stunden.

Jeden Monat luden mich die Gasteltern zu Familienessen, ins Restaurant oder ins Kino ein. Ich fühlte mich sehr wohl bei ihnen, denn sie behandelten mich fast wie ihre eigene Tochter. Wir unterhielten uns viel. Dank ihnen fühlte ich mich wie zu Hause, obwohl ich meine Familie und meine Freunde sehr vermisste. Für meine Gasteltern war es eine echte Erleichterung, dass ich da war, da beide sehr viel arbeiteten. Gerne hätten sie mehr Zeit mit ihren beiden Kindern verbracht. Im Verlauf des Jahres war ich an zwei Wochenenden bei meiner Familie in der Schweiz. Und meine Eltern und meine Schwester besuchten mich auch in London. Obwohl wir weit weg voneinander waren, kamen wir uns in diesem Jahr viel näher!

Es war wirklich eine gute und bereichernde Erfahrung – auf zwischenmenschlicher Ebene und für meine persönliche Entwicklung: Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in einem fremden Land auf mich allein gestellt. Ich habe dort nicht nur eine neue Kultur, sondern auch mich selbst kennengelernt. Und ich habe gelernt, Fremden zu vertrauen. Auch für meine Gasteltern war es eine neue Erfahrung, eine Unbekannte unter ihrem Dach zu haben und ihr die Kinder anzuvertrauen! Wir haben übrigens immer noch Kontakt. Und der Au-Pair-Aufenthalt hat meine Reiselust geweckt: Heute lebe und arbeite ich in den USA.»

Babysitter jouant avec enfants

Das sollten Sie wissen!

Junge Menschen aus einem EU- oder EFTA-Land benötigen kein Visum für einen Au-Pair-Aufenthalt in der Schweiz.

Ganz gleich, ob der Einsatz in der Schweiz oder im Ausland erfolgt: Für die administrativen Formalitäten wie Versicherung, Anmeldung usw. ist die Gastfamilie zuständig.

Zudem muss ein Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Darin sind vor allem die folgenden Punkte zu regeln:

  • Der Hauptzweck des Au-Pair-Aufenthalts: das Erlernen der Sprache des Gastlandes
  • Die Vertragsdauer: sechs Monate bis ein Jahr
  • Die Arbeitszeiten: bis sechs Stunden pro Tag und 30 Stunden pro Woche (und bis 40 Stunden für ein Schweizer Au Pair). Schweizer Arbeitgeber, die Au Pairs aus dem Ausland anstellen, müssen wöchentlich 15 Stunden zu Hause sein, damit sie die Jugendlichen betreuen können.
  • Die Rechte und Pflichten der Gastfamilie und des Au Pairs
  • Der Barlohn und der Naturallohn (Unterkunft, Verpflegung usw.)
  • Die freien Tage und die Ruhezeiten
  • Die Versicherungen
  • Die Steuern

Für Au Pairs ist der Besuch eines Sprachkurses von mindestens vier Stunden pro Woche (insgesamt 120 Stunden) obligatorisch. Der Sprachkurs wird vom Au Pair oder seinen Eltern finanziert. Die Gastfamilie ist nur verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen, wenn das Au Pair aus einem Land stammt, das weder zur EU noch zur EFTA gehört.